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…so fing alles an im Sommer 2000, als der Verein gegründet wurde.
Letztendlich ist es jedoch so, dass wir uns auf das Spätmittelalter
festgelegt haben, genauer gesagt auf die Zeit um 1460, und dass wir alle
"schön" sind, also ohne Gefolge (welches ja bedauerlicherweise der letzten
pestilenzia epidemia zum Opfer gefallen ist…).
Unsere Mannen finden das 15.Jahrhundert wegen der Waffen und Rüstungen am
interessantesten. Und je weiter es fortschreitet, umso mehr kommen
Feuerwaffen ins Spiel (wenns knallt, qualmt und stinkt, hält es doch kaum
einen Mann auf seinem Stuhl…) und gibt es die wunderschönen spätgotischen
Harnische, umso mehr kommt die deutsche Armbrust (mit Winde) neben dem Bogen
zum Einsatz und kampferprobte gut ausgebildete Söldner und geharnischte
Fußkämpfer lehren mit ihren Stangenwaffen die einstmals unbesiegbaren
Ritterheere das Fürchten. Da von uns keiner reitet oder gar ein Pferd
besitzt, steht es ja außer Frage, einen Ritter darzustellen.
Ingo und Axel zum Beispiel haben Geschichte studiert und Ingo hat seinen
Magister über das Buch des Ludwig van Eyb gemacht, in dem es um
spätmittelalterliche Belagerungstechniken geht. Eyk war aktiver
Großkaliberschütze, bevor er sich mit einer Frau ein noch teureres Hobby
zulegte…, und interessiert sich schon viele Jahre für alte Vorderlader und
Blankwaffen.
Michel ist immer noch aktiver und sehr erfolgreicher Großkaliberschütze und
Siegfried ist mit fast 30 Jahren Reenactment unser absolutes
"mittelalterliches Urgestein" - er hat dieses Hobby schon zu einer Zeit
betrieben, als es dafür noch keinen Markt und nix zu kaufen gab. Er kennt
noch die Zeiten in den 80er Jahren, als Kettenhemden aus Paketschnur
gestrickt und silbern angemalt wurden…
Für uns Fruwen ist natürlich die wunderschöne spätmittelalterliche
(burgundische) Gewandung mit ihrer unglaublichen Pracht und Vielfalt der
Anreiz und die Herausforderung. In ihr erlebte das noch junge
mitteleuropäische Schneiderhandwerk eine erste Vollendung (Schneider, nicht
Näher, denn der Schnitt ist das Entscheidende). Nach dem Kleid ist
eigentlich auch immer vor dem (nächsten) Kleid - so wie der Trend ja
eindeutig zur Zweit- und Drittrüstung oder zum Drittschwert geht….
Ich habe mein erstes Prunkgewand für einen völlig anderen Anlass genäht,
bevor ich überhaupt etwas von "Mittelaltermärkten" gehört habe, weil ich
diese Mode schon immer sehr reizvoll fand - der Inbegriff der "höfischen
Mode" - so sehen die Prinzessinnen, Feen und bösen Stiefmütter in den guten
(tschechischen) Märchenfilmen aus!
Betsy und Wiebke sind durch ihre Männer und die Begeisterung ihrer Kinder zu
diesem Hobby gekommen und haben sich nach und nach damit "infiziert".
Für beide war daneben ausschlaggebend, dass man bei uns eben "schön" sein
kann und nicht als Küchenmagd, Marketenderin oder wie auch immer
recherchierte Söldnerin mitlaufen muss. Außerdem haben wir einfach einen
gewissen Komfort - ein großes Dach mit gemütlicher Tafel und jeder sein
eigenes Zelt und nicht mit 10 (ungewaschenen) Männern auf engstem Raum das
Wochenende verbringen…
Auch wenn so mancher Gerry Embleton-Reenactor uns leicht verächtlich als
"Plüschis" belächelt - unsere Bänke sind gepolstert, unsere Zelte sind
geräumig und unser Dach ist gemütlich bei jedem Wetter!
Für das Publikum sind wir immer "der Ritter", "die Burgfrau" oder "die
Prinzessin". Darstellen wollen wir eigentlich den einfachen(Land)adel, der
es aber beispielsweise als Hansekaufmann zu einem gewissen Reichtum
gebracht, allerlei kostbare und auch fremdländische Waren auf seinen
Handelsreisen erstanden hat und als begüterter Stadtbewohner, der zwar vor
allem in seinem Auftreten und seinem Äußeren Wert auf Tradition legt, so
doch eine gewisse Weltoffenheit und vielschichtige Bildung besitzt. Wir
wissen, dass wir nie authentisch sein können, allein schon aufgrund des
fehlenden Gefolges, aber wir wollen wenigstens versuchen, die schönen, im
Sinne von prächtigen, Seiten des schnell als finster, rückständig und
primitiv eingestuften deutschen Mittelalters zeigen.
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